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KI in der Bestandsmigration: Eindrücke von der DAV Jahrestagung 2026

Auf der DAV Jahrestagung 2026 in Berlin wurde deutlich, wie sich aktuarielle Tätigkeiten vor dem Hintergrund der gegenwärtigen technologischen Entwicklungen verändern werden. Einen besonders praxisnahen Einblick bot der Vortrag von Bartlomiej Maciaga gemeinsam mit unserem Vorstand Dr. Arno Rasch in der Fachgruppe Leben. Unter dem Titel „KI in der Bestandsmigration: Was funktioniert heute – und was kommt als Nächstes?“ zeigten die beiden Referenten, dass Künstliche Intelligenz bereits heute konkret Anwendung in der aktuariellen Praxis findet.

KI zum Anfassen: Ein ungewöhnlicher Einstieg

Schon der Einstieg in den Vortrag unterschied sich deutlich von klassischen Fachpräsentationen. So wurde das Publikum von Anfang an aktiv eingebunden, und eine KI-Anwendung lief im Hintergrund von Beginn an mit. Ohne große technische Erklärungen wurde deutlich, dass KI integraler Bestandteil von Arbeitsprozessen sein kann.

Vom Konzept zur Praxis: Das KI-Labor

Ausgangspunkt der vorgestellten Ergebnisse war die Tätigkeit in der DAV Arbeitsgruppe Bestandsmigration in der Lebensversicherung. Wie in vielen anderen Bereichen zeigte sich auch hier zunächst ein bekanntes Bild: Es gibt zahlreiche Ideen und potenzielle Use Cases für den Einsatz von KI, die jedoch oft auf einem abstrakten Niveau behandelt werden.

Der entscheidende Schritt bestand darin, die Anwendung von KI in einem konkreten, praxisnahen Anwendungsfall zu erproben. Als Szenario für das KI-Labor der Arbeitsgruppe wurde die Portierung eines Excel-Tarifrechners nach Python gewählt.

Diese Entscheidung war aus mehreren Gründen naheliegend. Zum einen handelt es sich dabei um ein typisches Problem in der Bestandsmigration: historisch gewachsene, oft schwer nachvollziehbare Tarifrechner sind in vielen Unternehmen Realität. Zum anderen ließ sich ein solcher Use Case ohne sensible Produktivdaten umsetzen.

Im Zentrum stand also die Frage, inwieweit KI heute bereits in der Lage ist, komplexe aktuarielle Zusammenhänge zu verstehen und in neue technische Strukturen zu überführen.

Rückblick – und was heute funktioniert

Wie im Vortrag gezeigt wurde, hat sich die Leistungsfähigkeit moderner KI-Systeme innerhalb kurzer Zeit erheblich gesteigert. Noch vor zwei Jahren lieferten erste Versuche häufig unvollständige Ergebnisse und verursachten einen hohen manuellen Nachbearbeitungsaufwand. Heute lassen sich auch komplexe Aufgaben, die ein tiefes Verständnis fachlicher Zusammenhänge voraussetzen, durch KI erledigen. Insbesondere bei der Generierung und Verarbeitung von Programmcode haben sich signifikante Fortschritte ergeben, so dass vollständiger, korrekter und gut strukturierter Code ohne manuelle Eingriffe erzeugt werden kann.

Diese Entwicklung bedeutet jedoch nicht, dass KI-Systeme vollständig autonom eingesetzt werden können. Qualitätssicherung und fachliche Validierung der Ergebnisse bleiben zentrale Aufgaben für den Aktuar. Gerade im aktuariellen Kontext, in dem Nachvollziehbarkeit und regulatorische Anforderungen eine große Rolle spielen, ist die Verantwortung des Menschen weiterhin unverzichtbar.

Der eigentliche Umbruch: Neue Arbeitsweisen

Über den konkreten Anwendungsfall hinaus wurde im Vortrag ein noch grundlegenderer Wandel sichtbar: KI verändert die Arbeitsweise im Aktuariat.

Während KI bisher oft in Form punktueller Unterstützung, etwa als „Assistent“ beim Programmieren genutzt wurde, wird sie künftig viel mehr in die Prozesse integriert werden. Dabei arbeiten verschiedene KI-Komponenten zusammen, wobei einzelne KI-Komponenten eigenständig Teilaufgaben übernehmen, so dass insgesamt eine stärkere Automatisierung komplexer Abläufe ermöglicht wird.

In diesem Zusammenhang wurde auch der Begriff „agentische Systeme“ aufgegriffen. Gemeint sind Systeme, in denen mehrere spezialisierte KI-Einheiten miteinander interagieren, Aufgaben aufteilen und Ergebnisse überprüfen. Auch wenn solche Systeme derzeit noch in der Entwicklung sind, zeichnet sich bereits heute das Potenzial für die aktuariellen Arbeitsfelder ab.

Die Rolle des Aktuars im Wandel

Mit dieser Entwicklung geht zwangsläufig auch eine Veränderung des Berufsbildes einher. Während operative Tätigkeiten – etwa die direkte Umsetzung von Modellen in Code – von KI übernommen oder unterstützt werden können und somit weniger menschliche Arbeitszeit binden, gewinnen andere Aufgaben an Bedeutung.

Dazu zählen insbesondere die fachliche Konzeption und Formulierung von Anforderungen sowie Prüfung und Freigabe. Der Aktuar wird damit stärker zum Architekten und Orchestrator: Er gestaltet die fachlichen Rahmenbedingungen und steuert den Einsatz von KI, trägt aber weiterhin die Verantwortung für die Qualität und Korrektheit der Ergebnisse.

Einordnung für vtmw

Die im Vortrag dargestellten Erkenntnisse sind auch für vtmw von besonderer Relevanz. Themen wie Bestandsmigration und der Umgang mit gewachsenen Systemlandschaften sind seit jeher Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz haben erhebliche Auswirkungen darauf, wie wir unsere Aufgaben künftig bearbeiten.

Für vtmw ergibt sich daraus der Auftrag, sich mit diesen Entwicklungen fachlich auseinanderzusetzen, praktische Erfahrungen zu sammeln und weiterzugeben und den Erfahrungsaustausch innerhalb der Community zu fördern.

Fazit

Die Eindrücke von der DAV-Jahrestagung 2026 zeigen, dass Künstliche Intelligenz im Aktuariat angekommen ist. Erste praktische KI-Anwendungen liefern schon heute beeindruckende Ergebnisse.

Die Entwicklung ist jedoch sehr dynamisch, und viele Fragen, insbesondere hinsichtlich der Integration in bestehende Prozesse, Qualitätssicherung und Gestaltung zukünftiger Arbeitsweisen sind noch offen.

Die Rolle des Aktuars wandelt sich, bleibt aber von zentrale Bedeutung. In einer Umgebung, in der zunehmend KI eingesetzt wird, kommt es mehr denn je auf fachliche Expertise, kritische Einordnung und verantwortungsvolle Steuerung an.

Die vtmw AG wird diesen Wandel weiterhin aktiv begleiten.

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